24. August // Jerusalem

Sat, 24 Aug 2019 18:32:46 +0000 von Hans Christian Brandy

Am Ziel!
Um 15.00 h war ich am Damaskus-Tor. 
Es ist  der 70. Tag meiner Radpilgertour. Genau zehn Wochen bin ich heute Abend unterwegs. 
Nun bin ich am Ziel.
Nach 5.825 Kilometern und 37.486 Höhenmetern.
Ich bin 372 Stunden Fahrrad gefahren. 

Wie erwartet war die letzte Etappe noch einmal hart. Zwar waren es nur 35 Kilometer. Aber auf denen ging es eben ständig bergauf, in der Summe noch einmal beinahe 1200 Höhenmeter, von minus 250 auf knapp 800. Ich habe jetzt buchstäblich am eigenen Leibe erfahren, warum die Bibel immer von „hinauf nach Jerusalem“ spricht. Überhaupt, die ganzen Wallfahrtspsalmen, etwa Psalm 122 oder Psalm 84, lese ich jetzt noch einmal mit anderen Augen, wenn man diese Wallfahrt hier hinauf gemacht hat. 

Zu fahren war es recht gut. Die berühmte Straße von Jericho nach Jerusalem, an der u.a. die Geschichte vom Barmherzigen Samariter spielt, ist heute eine große, vierspurige Straße, gut ausgebaut, mit relativ gleichbleibender Steigung und mit breitem Seitenstreifen. Nur zwischendurch gibt es ein sechsspuriges Stück ohne Seitenstreifen. Das war unangenehm. Und die Hitze war natürlich ein Thema. Ich war dankbar, dass es bei Straßeneinmündungen Bushaltestellen gab, denn dort gab es den einzigen Schatten auf der Strecke. Ansonsten brannte die Sonne unbarmherzig. Ich hatte anfangs sechs Liter Wasser dabei und beinahe alles auch gebraucht. 

Anfangs ging die Strecke wirklich durch die judäische Wüste. Nur hin und wieder ein paar Beduinenbehausungen, sonst Wüste. Nach gut 20 Kilometern begann der Großraum Jerusalem, es war nun stärker besiedelt – und die Straße war eine Weile deutlich steiler. Irgendwann passierte ich den Kontrollposten, mit dem ich Palästina verließ. Dann kam auf dem Mount Skopus ein längerer (und weil immer noch aufwärts führend etwas unangenehm zu fahrender Tunnel). Und als ich aus dem heraus kam, lag die Stadt vor mir. Das war sehr bewegend. Ich war am Ziel.

Ich ließ mich von Komoot zum Damaskus-Tor leiten, erstand als Belohnung eine große und vor allem kalte Cola-Light. Weil am Damaskus-Tor kein Durchkommen mit dem Rad war, fuhr ich noch bis zum Jaffa-Tor. Da habe ich eine halbe Stunde an einer ruhigen Stelle gesessen und bin innerlich ein wenig angekommen. Die großen Emotionen blieben jetzt aus. Keine Tränen, kein Jubel. Etwas Wehmut, ja. Aber vor allem eine große, stille Dankbarkeit. Es war und ist jetzt alles gut. Diese Tour ist am Ziel. Äußerlich wie innerlich und geistlich. Das was ich erträumt hatte, ist genau so wahr geworden. 

Um 16.00 h hatte ich das Rad durch die dafür nicht gerade ideale Altstadt zum Lutherischen Gästehaus geschoben, das großartige Ausblicke auf die Altstadt bietet.
Heute Abend kommt Claudia.
Morgen sind wir - genau zum Israelsonntag - im Gottesdienst in der Lutherischen Erlöserkirche.

Die Tour ist an ihrem Ziel, und damit möchte ich auch diesen Blog an sein Ende kommen lassen.

So ende ich hier mit einem einfachen und großen Dank an alle, die mich ermutigt und unterstützt haben. Und ich danke Gott für diese besondere und rundherum erfüllte Zeit.